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zuletzt geändert am 11. Juni 2017

Sportkegler-Verein Wunstorf

Das Kegeln hat in Wunstorf eine lange Geschichte

Von Wilfried Sasse

 
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"Gut Holz" und "Alle Neune!" so schallt es seit mindestens 111 Jahren auf Wunstorfer Kegelbahnen. Im Jahr 1894 haben diese Freizeitgestaltung nur Männer ausgeübt, Frauen wollte man diese Art Körperertüchtigung nicht zumuten. Und man stelle sich einmal vor, so dachten die "Herren der Schöpfung" damals, wenn auch die Frauen dann noch nach dem Kegeln dem Genuss von Gerstensaft zusprechen würden. Nicht auszudenken! Also blieb man unter sich und freute und trank sich zu. In einer alten Leine-Zeitung aus dem Jahre 1894 wird erstmals der Name eines Keglers genannt: Otto Grefe, er kommt wahrscheinlich aus Wunstorf. In den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts tauchen Kegelklubs mit fantasievollen Namen in Anzeigen auf: "Fidele Pumpe" (1907), "Neuntöter" (1909), "Einigkeit" (1911), weiter "Victoria", Keglergesellschaft Freie Innung, "Gut Holz" gleich zwei mal in Wunstorf und in Blumenau, "Freie Bahn", "In Form", "Böse Buben', "Alter Fritz" (in diesem Verein konnte nur Mitglied werden, wer Beamter bei der Reichsbahn war), und viele andere Namen. Alle Kegelvereine machten über Anzeigen auf Aktivitäten aufmerksam. 1907 veranstaltete zum Beispiel der Kegelklub "Fidele Pumpe" ein Preiskegeln im damaligen Hotel Victoria bei H. Lakemann. Am Sonntag, dem 10. November, sollte um halb 4 Uhr nachmittags begonnen werden. Andere Vereine folgten mit gleichartigen Preis Kegelturnieren. Der Kegelklub "Einigkeit" feierte am 28. Januar 1913, abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Westermann "Kaisers Geburtstag" mit Freunden und Gönnern, die dazu eingeladen wurden. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Wunstorf Kegelbahnen wie die im Hotel Ratskeller von Fr. Stadtländer, eine Kegelbahn war bei Peter Westermann und eine weitere bei C. Steinwede.
Wie sahen damals Kegelbahnen aus? Für uns heute kaum vorzustellen. Keine Automatik half bei Aufstellen, erst recht keine beim Addieren. Zum Aufstellen benötigte man so genannte "Kegeljungen". Ganze Generationen von ihnen verdienten sich mit dem Aufstellen der Kegel ein beachtliches Taschengeld, und wenn man einem besonders spendablen Kegler was Gutes tun wollte, stieß man mit dem Fuß fast unsichtbar den letzten Kegel um: "Alle Neune!" Dann erhöhte sich das Taschengeld erheblich. Aber wehe dem Kegeljungen, dem das Unsichtbare nicht gelang, dann war es aus mit der Taschengeldherrlichkeit! Ehrlich währt eben am längsten! 1929 gibt eine kurze Zeitungsmeldung davon Auskunft, dass der Kegelbruder Ferdinand Wickboldt vom Kegelklub "Fidele Pumpe' mit fünf Wurf hintereinander fünf Neunen geworfen hat - mit Hilfe eines Kegeljungen? Schon 1926 schrieb eine andere Zeitung: "Die Zeit rückt näher, wo es keine Kegeljungen mehr geben wird und das Aufrichten der Kegel mechanisch bezugsweise elektrisch erfolgt. In Hannover sind bei dem in Syke wohnenden Erfinder dieser Neuerung Aufträge gemacht worden.
Aber zurück noch einmal zu den alten Klubs und deren Interessen. Der Kegelklub "Alter Fritz" hier-selbst (Wunstorf) hatte vor kurzem an den Fürsten Bülow ein Telegramm gerichtet, in welchem er seine Freude über das energische Auftreten des Fürsten während der letzten Sitzung des aufgelösten Reichstages lebhaften Ausdruck gegeben hatte. Hierauf ist vor einigen Tagen ein Antwortschreiben eingelaufen, z.Hd. des Vorsitzenden des Vereins, Herrn Sparkassenrendanten Dörge, in welchem für die durch das Telegramm bekundete vaterländische Gesinnung gedankt wird, So war das vor mehr als 80 Jahren. Und man sieht daraus, welchen Stellenwert manche Kegelklubs hatten. Das Wirtschaftliche, das Soziale, das Gesellschaftliche spielte bei der Wahl der Mitglieder eine vorrangige Rolle, die Kegelklubs nahmen nur Gleichgesinnte und Betuchte auf. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich bald darauf auch Klubs aus niedrigeren sozialen Schichten bildeten, ja sogar solche aus einfachen Arbeitern. Hinter allen Kegelklubs stand eben nicht nur sportliches Kegeln, sondern Gesellschaftliches und Gleichgesinntes. Stiftungsfeste oder besondere Preiskegeln bildeten schon damals die Höhepunkte im Vereinskegler leben. 1928, so meldete die Leine-Zeitung, fand auf der Bundeskegelbahn von Herrn August Westermann ein Pokalkegeln statt. Alle Wunstorfer Kegelklubs beteiligten sich daran. Sieger wurde der Kegelklub "Freie Bahn" mit 1979 Holz, Bester dieses Klubs war "Herr Lokomotivführer Paul Schulze" mit 278 Holz. Mit 288 Holz aber wurde absolut "bester Mann" Herr Rappe vom Klub "In Form". Alle Anzeigen nennen wertvolle Preise: Da werden Gänse, Enten, Hasen, Schinken ausgekegelt, da geht es um Bargeld, aber auch um Sachpreise wie eine Standuhr, gestiftet von der Firma Jul. Podolski, ein silbernes Besteck, gestiftet von der Firma Wilhelm Dehnhard, eine Peddigrohrgarnitur, zwei Sessel und ein Tisch, gestiftet von der Firma Ernit Hennings, Anzugstoff, ein Paar Herrenstiefel, 1 Paar Ledergamaschen, je eine Flasche Likör so wie ein Frühstückskorb. Man sieht, dass mit den Maßstäben damaliger Zeit recht wertvolle Preise zur Vergabe kamen. Und das ein solches Preiskegeln mit einem Tanzabend beendet wurde, versteht sich beim Klang der Gläser von selbst.
Viele Anzeigen künden vom Dahinscheiden von Klubmitgliedern. In den frühen Jahren und auch während des Ersten Weltkrieges sind die bei den für Wunstorf erscheinenden Zeitungen voll davon. So "fiel auf dem Felde der Ehre unser Kegelbruder oder "Im Kampfe für Vater land starb bei Ypern". Wortwahlen, die uns heute den üblichen Sprachgebrauch damaliger trauriger Ereignisse mitteilen. Mit den Jahren aber werden die Veröffentlichungen aus dem Keglerleben weniger und zu Beginn des Dritten Reich verschwinden sie fast ganz aus den Zeitungen. Trotzdem wird weiter gekegelt. Eine Meldung aus dem Jahr 1939 berichtet über eine Kegelveranstaltung: "Im Kegelklub Voraus im Reichsbund und für Leibesübungen, dem Kegelklub von Reichsbahnbeamten, ist es dem Kegelbruder Wilhelm Bendix trotz seiner 75 Lebens Jahre gelungen, das Ehrenblatt des diesjährigen Winterhilfskegelns zu erringen. Wir wünschen Herrn Bendix, dass er noch lange gesundheitlich auf der Höhe bleibt, um sich sportlich betätigen zu können." Die Kegelbahnen wurden leerer, die Kegler der Klubs mussten ihren Militärdienst leisten. Mit dem Fortdauern des Krieges und auch den kriegerischen Ereignissen in der Heimat, kommt der Kegelsport ganz zum Erliegen. Erst 1949 findet man in einer Wunstorfer Zeitung wie der eine kleine Nachricht, dass sich eine Gruppe eifriger Kegelfreunde im Verein "Sorgenbrecher" zusammengetan hat. Dieser Klub besteht aus Flüchtlingen bzw. Ausgebombten. Vorsitzender ist der Friseurmeister W. Fischer. Gekegelt wird auf der "sauberen" Bahn des Hotels am Bahnhof von Borges. Dieser Klub, so schrieb der Chronist damals, benötigt aber noch Mitglieder.
Der Kegelsport wurde fast ausnahmslos in geselliger Runde ausgeübt. Gesellschaftskegeln hieß das. Inzwischen haben auch die Frauen ihr Recht bekommen oder sich genommen, in diese Männerdomäne einzudringen und mit zu kegeln. Die Folge waren gemischte Klubs, bei denen das Gesellige im Vordergrund stand. Und es gab gute und ausgezeichnete Kegler, die sich in den Klubs nicht ausgelastet fühlten, hatten sie doch ein Niveau, das über dem der anderen Gesellschaftskegler stand. In dieser Situation bildete sich in Wunstorf 1976 ein Verein, dessen Anliegen nur das Sportkegeln war. Man hatte zunächst seine Heimat in Lauenau, aber als unter dem Wunstorfer Hallenbad eine Vierbahnenanlage für den Kegelsport entstand, gründete man den Sportkeg1er-Verein Wunstorf.
29 Jahre besteht der sich nur dem Kegelsport widmende Verein in der Auestadt. In diesem Zeitraum sind als Höhepunkte wohl die Deutsche Jugendmeistertitel zu betrachten. Aber auch die 5 Punktspielmannschaften, die Jahr für Jahr Wunstorfer Farben im Kreis, Bezirk, Land und Bund vertreten, sind im Kegelsport zu einem Begriff geworden. Was im Moment dem Verein Sorgen macht, ist die sich ständig reduzierende Zahl der Mitglieder. Deshalb hat sich der SKV-Vorstand Gedanken gemacht, wie man am Kegelsport interessierte Mitmenschen dazu bewegen kann, einfach mal auf die Kegelbahn zu kommen und sich das Kegeln anzusehen, zu schnuppern und mit ein paar Wurf das Kegeln mal selber zu probieren und zu erkennen, ob man am Kegelsport Gefallen findet.
Also, was unsere Großväter in Wunstorf konnten, was die Väter nach dem Kriege als Freizeitgestaltung genossen, warum sollten wir Heutigen uns nicht auch einmal mit Kegeln anfreunden. Und noch ein Hinweis: Kegler sind keine Biertrinkenden Ungeheuer, für sie ist Kegeln Sport. Erst danach wird sicher das eine oder andere "Helle" genossen. Der SKV Wunstorf wünscht sich viele "Schnupper"-Gäste und sagt, wie in Keglerkreisen seit Urväterzeiten so Sitte ist.
 

"Gut Holz"